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Erklärung zu den No-Go-Areas vom September 2013

Stellungnahme zum Artikel des General-Anzeigers vom 22.10.2013

Pressemitteilung vom 28.10.2013 zum Thema „No-Go-Areas in Bonn

Statistik: Vorfälle pro Stadtteil

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Antwort auf Kritik an der No-Go-Karte für Bonn

[nachträglicher Hinweis: Die untenstehende Antwort entstand Anfang September 2013, also noch bevor Mitte Oktober 2013 die Presse sich des Themas annahm]

Der Hinweis für Sprachschüler bezüglich „No-Go-Areas“ in Bonn hat unerwarteterweise ein großes Echo ausgelöst. Bislang rund 50 Bonner Bürgerinnen und Bürger riefen an oder mailten, baten entweder um nähere Informationen oder brachten Zustimmung beziehungsweise Kritik zum Ausdruck. Auch ein wohlmeinender Vertreter der Stadt Bonn rief an, stellte sich namentlich vor und legte nahe, die Veröffentlichung der Karte mit den Bonner No-Go-Areas noch einmal gründlich zu überdenken, da diese Karte mittlerweile in rechten Kreisen herumgereicht würde. Außerdem entspreche die Wahrnehmung solch unsicherer Stadtgebiete absolut nicht der Realität, ja ein Verwandter von ihm wohne in Tannenbusch-Mitte und fühle sich dort pudelwohl. Der Bonner Stadtbeamte legte daher nahe, dass man sich doch mal von der Integrationsbeauftragten der Stadt Bonn bezüglich der großen Fortschritte aufklären lassen solle, welche die Problemjugendlichen der besagten Stadtteile durch erfolgreiche Sozialarbeit und Streetworking gemacht hätten. Ein weiterer Anrufer, diesmal anonym, gab vor, ein einflussreicher Beamter zu sein und forderte auf, diese "rufschädigende Karte" sofort aus dem Netz zu nehmen und stellte bei Zuwiderhandlung in Aussicht, dafür zu sorgen, dass man aus der Liste der Integrationskursträger gestrichen wird (was uns nicht weiter beunruhigt, da wir seit 2009 keine Integrationskurse mehr anbieten).

Ich sehe mich daher veranlasst, den Hinweis für Sprachschülerinnen und Sprachschüler weiter zu erläutern und zu präzisieren:

  1. Wir sind eine Sprachschule mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“. Unsere Deutsch-Sprachschüler(innen) kommen aus aller Welt, um hier universitätsvorbereitend Deutsch zu lernen. Auch Au-pair-Mädchen und -Jungen sowie Berufstätige zählen zu unseren Kundinnen und Kunden.
  2. Es sind ausschließlich unsere ausländischen Sprachschüler(innen), die uns von ihren Erfahrungen in den genannten Stadtteilen berichtet haben. Unsere Karte speist sich aus den Berichten von mindestens 250 verschiedenen ausländischen Schüler(inne)n aus den letzten sechs Jahren. Die Berichte sind zum Teil schriftlich im Rahmen von Übungen und Hausaufgaben fixiert worden. Wir haben nur diejenigen Stadtteile für unsere Karte herangezogen, bei denen mit sehr großer Übereinstimmung (über 80%) von äußerst negativen Erfahrungen berichtet wurde.
  3. Es liegt uns selbstverständlich fern, pauschal Stimmung gegen die Einwohnerinnen und Einwohner dieser Stadtteile oder gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu betreiben. Ganz im Gegenteil: Wir möchten unseren ausländischen Schüler(inne)n negative Erfahrungen und Unheil ersparen, ihnen ein harmonisches Lernumfeld bieten und ihnen ein objektives und positives Bild von Deutschland vermitteln.
  4. Die negativen Erfahrungen unserer Sprachschüler(innen) beziehen sich auf: Belästigungen von Frauen, Raub („Abziehen“) und Diebstahl, Einbrüche, Pöbeleien und Beleidigungen. Vor allem unsere ostasiatischen und osteuropäischen Schüler(innen) haben einschlägige Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht, die fast ausnahmslos selbst einen Migrationshintergrund zu haben schienen und bei denen offenbar die Bemühungen um Integration bzw. die Anpassung an ein zivilisiertes Sozialverhalten noch zu wünschen übrig lassen. Die schlechten Erfahrungen haben also keineswegs, wie einige besorgte Anrufer vermuteten, einen „Neonazi-Hintergrund“. Im Gegenteil haben die allermeisten Sprachschüler(innen) von den deutschen bzw. als deutsch wahrgenommenen Bürgerinnen und Bürgern Bonns einen durchweg positiven Eindruck und bestätigen so das Bild Bonns als toleranter und weltoffener Stadt.
  5. Vor der Erstellung unserer Karte haben wir anhand von Presseberichten geprüft, ob die entsprechenden Erfahrungen vielleicht doch nur zufälliger Natur waren. Für alle Stadtteile haben wir aber Hinweise in der Presse gefunden, dass dort tatsächlich nicht alles zum Besten bestellt ist. Außerdem bestätigen viele unserer Lehrkräfte, die selbst in diesen Stadtteilen wohnen und sehr oft selbst mit einem oder einer migrationshintergründigen Partner oder Partnerin liiert sind, die negativen Erfahrungen unserer Sprachschülerinnen und Sprachschüler. Wir haben uns die Entscheidung, diese Karte zu veröffentlichen, also nicht leicht gemacht und verstehen nur zu gut, dass sich einige Einwohner(innen) und Vermieter(innen) der betreffenden Bezirke auf den Schlips getreten fühlen. Andererseits tragen wir auch Verantwortung für das Wohl unserer Sprachschülerinnen und Sprachschüler und können nicht ruhigen Gewissens ein Zimmer in einer prekären Gegend empfehlen, selbst wenn es doppelt so günstig ist wie im Bonner Durchschnitt.
  6. Wir haben mit dieser Karte auf Missstände in Bonn aufmerksam gemacht, die offenbar - von entsprechenden Reaktionen her zu schließen - vielen Verantwortlichen der Stadt nicht bewusst sind. Wahrscheinlich fühlt sich auch nur ein Bruchteil der Bonner Bürger(innen) veranlasst, Missstände im eigenen Stadtteil öffentlichwirksam anzuprangern und schlechte Erfahrungen an die Behörden der Stadt weiterzuleiten, solange es sich nicht um mittlere bis schwere Verbrechen handelt. Unsere Sprachschüler(innen), die meist nur ein halbes bis ein Jahr in Bonn bleiben, können da offener sein, weil sie nichts zu verlieren haben. Wir als Sprachschule verwahren uns also gegen den Vorwurf, „Nestbeschmutzer“ zu sein, also ohne Not unsere eigene Stadt schlecht zu machen. Wir sehen uns vielmehr in der Verantwortung, Sensibilität für dieses unliebsame Thema zu wecken, damit Bonn auch weiterhin von Sprachschüler(inne)n aus aller Welt als sichere, liebenswerte, weltoffene und multikulturelle Stadt wahrgenommen wird, in der gewaltaffine und sozialunverträgliche Monokulturen keinen Platz haben.

Einige Pressestimmen zur Sicherheitslage in einigen Bonner Stadtteilen:

RTL (2010): "Angst vor den neuen Nachbarn". Über Jugendgewalt in Bad Godesberg
http://www.livingscoop.com/watch.php?v=MTM2Mw

RTL: Godesberger Geschäftsleute müssen auf private Sicherheitsdienstleister zurückgreifen

„Die Welt“ (27.10.2009): Vom schicken Diplomatenviertel zur „No-Go-Area“ (Bad Godesberg)
http://www.welt.de/vermischtes/article4993393/Vom-schicken-Diplomatenviertel-zur-No-Go-Area.html

Generalanzeiger (16.04.2013): Über Jugendkriminalität und Straßenräuber in Beuel
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/beuel/50-Taten-gemeldet-Jugendbande-in-Beuel-weiter-aktiv-article1030152.html

„Express“ (30.08.2007): Die Gruselkinder von Bad Godesberg
http://www.express.de/bonn/sie-nennen-sich--bad-go--die-gruselkinder-von-bad-godesberg,2860,624094.html

„Express“ (23.05.2013): Angst, Gewalt und Müll in Bonn-Tannenbusch
http://www.express.de/bonn/stadt-will-eingreifen-angst--gewalt-und-muell-in-tannenbusch,2860,16094100.html

„Express“ (06.03. 2012 und 26.03.2012): Über Jugendgewalt in Bonn-Auerberg
http://www.express.de/bonn/anwohner-in-angst-bande-terrorisiert-auerberg--student-fast-totgetreten,2860,11776196.html

http://www.express.de/bonn/auerberg-schlaeger-joelina--9----ich-hatte-angst--dass-der-mich-toetet-,2860,11993436.html

„Express“ (01.03.201): Über Gewalt in Bonn-Medinghoven
http://www.express.de/bonn/schlaege-und-uebergriffe-nach-medinghoven-faehrt-die-angst-mit,2860,1195902.html

 

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